Eine Leseempfehlung von Anna
Bei dem Gedanken an international anerkannte australische Literatur mag dem einen oder anderen ein schmunzelndes Lächeln auf den Lippen erscheinen. Welchen australischen Schriftsteller könnte man schon in einem Atemzug mit Shakespeare, Tolstoi oder Goethe nennen? Und doch ist gerade australische Literatur, vor allem die, die sich authentisch und ehrlich mit seiner Kolonialgeschichte und dem Leid der indigenen Menschen auseinandersetzen kann, wichtiger als je zu vor.
Um es vorwegzunehmen: David Malouf hat keine indigene Abstammung. Dennoch gelingt es ihm mit “Jenseits von Babylon” mit Einfühlungsvermögen und Ehrlichkeit die Charakterschwächen, Unsicherheiten und Vorurteile der schottischen Siedler aufzudecken. Am Beispiel des körperlich und geistig beeinträchtigten Gemmy Fairley, einem britischen Schiffsjungen, der nach einem Schiffbruch in einem indigenen Stamm aufgewachsen ist, regt Malouf zum Nachdenken an, wenn es darum geht, mit fremden Kulturen konfrontiert zu werden und dabei die eigene Menschlichkeit nicht zu verlieren. Eingebettet wird die Geschichte in emotionale Beschreibungen von der noch so fremden und doch faszinierenden Natur, die die Siedler einmal „Heimat“ nennen werden. Meine Ausgabe ist etwas mitgenommen, denn sie hat selbst schon ein wenig Geschichte erlebt, bevor ich sie etwas versteckt in einem Antiquitäten-Laden im kleinen Katoomba finden konnte. Und doch ist es irgendwie ein ganz besonderes Andenken, das so viel mehr bietet als ein Schlüsselanhänger oder eine neue Kappe.